Was ist eine Due Diligence
Due Diligence (auch kurz: DD) bezeichnet die „gebotene Sorgfalt“, mit der beim Unternehmensverkauf oder Immobilien oder einem Börsengang das Kaufobjekt im Vorfeld dem Kauf oder des Börsengangs geprüft wird. Due-Diligence-Prüfungen (sinngemäß übersetzt als „im Geschäftsverkehr erforderliche Sorgfalt“) analysieren Stärken und Nachteile der Firma sowie die Risiken des Unternehmenskaufs oder Börsengangs, und sie beurteilen das Objekt. Gegenstand des Blickwinkels sind außerdem Bilanzen, personelle und sachliche Ressourcen, Marktposition, juristische und finanzielle Risiken, Umweltlasten. Es wird nach sogenannten Dealbreakern gesucht, d. h. nach Umständen, die einem Firmenkauf zuwiderlaufen könnten – z. B. Altlasten beim Grundstückskauf oder ungeklärte Rechte beim Firmenkauf. Erkannte Risiken können entweder Anlass für einen Abbruch der Gespräche oder Grundlage einer vertraglichen Berücksichtigung in Form von Preisabschlägen oder Garantien sein. Für grenzüberschreitende Unternehmenskäufe spielt die political Due Diligence steigende Bedeutung
Basis einer Due Diligence ist meist eine Absichtserklärung, in der ein passender Zeitraum für die Due-Diligence-Prüfung festgelegt wird. Weiterhin wird turnusmäßig der Zugang auf die notwenidgen Informationen und Unterlagen sowie ggf. die Zahlung einer Gebühr bei Nichtkauf zum Gegenstand einer solchen Festlegung gemacht. Hilfreich für Due Diligence Prüfungen sind so genannte Meilensteinberichte, welche den Zustand des jeweiligen Projektes in einer Kurzzusammenfassung wiedergeben.
Durchführung der Due Diligence
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Zur Durchführung einer Due Diligence sind in solchen Fällen nicht nur erprobte Anwälte und Wirtschaftsprüfer erforderlich, sondern, je nach Umfang der Due Diligence Prüfung, auch Fachleute mit speziellen Know-How, z. B. Kenntnisse der Branche oder spezieller Themengebiete wie Informationstechnik, Architekten oder Bausachverständige. Je nach Größe und Branche des zu kaufenden Unternehmens sind Due Diligence Teams mit 20 und mehr Mitarbeitern keine Seltenheit.
Der Begriff Due Diligence entstammt eigentlich dem US-amerikanischen Kapitalmarkt- und Anlegerschutzrecht, genauer den Regelungen zur Haftung an der Begebung von und dem Geschäft mit Aktien beteiligter Personen. Die sogenannte „Due Diligence Defense“ bietet dem Abschlußprüfer die Möglichkeit, sich der Haftung zu entziehen, sobald er nachweisen kann, dass er die Prüfung mit der angemessenen Sorgfalt gemacht hat .
Darüber hinaus hat der Begriff der Due Diligence noch eine weitere Bedeutung bekommen. Allgemein wird damit die ausführliche Analyse, Prüfung sowie Auswertung eines Objektes im Rahmen einer beabsichtigten geschäftlichen Durchführung, insbesondere jedoch im Zusammenhang mit Unternehmensverkäufen verstanden. Es handelt sich also um die Beschaffung und Bearbeitung von Daten im Sinne einer Kauf- oder Übernahmeprüfung. Sinn der Maßnahmen ist meist das Identifizieren unentdeckter Chancen und Risiken beim Zielunternehmen, zur Optimierung der Güte der Entscheidung und zur Erhöhung der Richtigkeit der Wertermittlung aufgrund des verbesserten Informationsstandes.
Im amerikanischen Recht kommt der Due Diligence eine weitere erhebliche Bedeutung in Verbindung mit Gewährleistungsansprüchen zu. An dieser Stelle gilt das Gebot der Sorgfaltspflicht des Käufers. Aus dieser dem Abnehmer zugesprochenen Sorgfaltspflicht entstammt die Prämisse der sorgfältigen Untersuchung eines Kaufgegenstandes. Die Sichtweise steht dem Gedanken der vertraglichen Sorgfaltspflicht des Verkäufers entgegen. Der redliche Verkäufer haftet im amerikanischen Recht in der Regel nicht für Die Mangelhaftigkeit der Kaufsache, so dass es der Ausarbeitung spezieller Gewährleistungsvereinbarungen für den einzelnen Vertrag bedarf. Eine Chancen- und Risikenanalyse im Rahmen einer Due Diligence Nachprüfung bildet dafür die Basis. In Deutschland ist dies einfacher: Das deutsche Recht geht grundsätzlich nicht von einer Pflicht des Käufers zur Prüfung des Vertragsgegenstandes aus.
Praktische Durchführung der Due Diligence (Käuferseite)
Zur tatsächlichen Durchführung der DD wird durch das zu verkaufende Unternehmen ein Datenraum eingerichtet. In diesem Datenraum werden alle Unterlagen bereitgestellt, die das zu verkaufende Unternehmen dem kaufenden Unternehmen zur Verfügung stellen will. Der Datenraum ist dabei in der Regel ein virtueller Datenraum und damit nicht an einen bestimmten Ort gebunden.
Schwerpunkte bei der Analyse einer Due Diligence
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Will eine Firma ein anderes Unternehmen oder einen Firmenteil erwerben oder übernehmen wird zuallererst in aller Regel eine Bewertung (SWOT-Analyse) des Unternehmens durchgeführt. Hierbei sollte nicht die standardisierte Abarbeitung von Listen im Vordergrund geschrieben stehen, sondern ausgehend von den Akquisitionszielen und Investitionshypothesen des möglichen Käufers ein Plan beschrieben werden, der vor allem die anfänglich gesetzten Annahmen untersucht.
Bei den Analyseschwerpunkten für die Ausführung einer Due Diligence kann dabei grundsätzlich zwischen IPO und Kauf/Verkauf und beim Kauf/Verkauf zwischen der Sichtweise von Finanzinvestoren und strategischen Investoren unterschieden werden.
Schwerpunkte aus der Sicht von Finanzgetriebenen Investoren
- Die Fähigkeiten des Vorstandes und der Führungspersonen
- Bewertung der gesellschaftlichen und sozialen Verantwortung / Bild der Firma in der Öffentlichkeit
- Schwankungen der Überschüsse, des Working Capitals und der Kapitals
- Verschuldung , Eventualverbindlichkeiten, Unterbewertung von Finanzverbindlichkeiten bzw. Überbewertung von Vermögensgegenständen
- Schätzung der Existenz eines Qualitätsmanagements im Unternehmen
- Analyse und Überprüfung der rechtlichen, insbesondere steuer-, arbeits- und gesellschaftsrechtlichen, Unternehmensstrukturen für Zwecke der Risikoanalyse und Ergebnisoptimierung.
Schwerpunkte aus der Sicht von strategischen Investoren
- Ausbildung der Mitarbeiter und ihre Veränderungsbereitschaft
- Vorliegen eindeutiger Ziele der Firma oder Betriebsteils
- Klare Verteilung von Budgets
- Geschlossene oder offene Informationspolitik und Unternehmenskommunikation im Unternehmen
- Dokumentierte Prozesse und Prozessorientierung
- Ausmass der Zufriedenheit von Kunden und Vorliegen eines dazu passenden Messinstrumentes
- Grad der Mitarbeiterzufriedenheit und Existenz einer Mitarbeiterbefragung
- Einschätzung der Überschüsse und Jahresabschlüsse des Unternehmens
Ergebnis der Due Diligence
Die Ergebnisse werden in einem Datenraumbericht für den Kunde zusammengefasst. In diesem Report wird auf die identifizierten Stärken und Schwächen des zu verkaufenden Unternehmens hingewiesen. Messbare Te gehen in die Bewertung der Firma und in der Form in die Ermittlung des Gebots des Käufers ein. Nicht quantifizierbare Resultate führen hingegen zur Frage nach Freistellungserklärungen und Gewährleistungen im Unternehmenskaufvertrag.
Nachfolgende Gliederung eines Due Diligence Berichtes ist nur zur Illustration gedacht (und im Zweifel nicht vollständig):
1. Auftrag der Prüfung
2. Erläuterung des Umfang der Prüfung
3. Grundsätzliche Anmerkungen über die beabsichtigte Transaktion
4. Sinn und Zweck der Übernahme
5. Einzelne Analysen:
a) der juristischen Situation
b) der steuerlichen Situation
c) der finanziellen Situation
d) von Markt, Branche und Ausrichtung des Unternehmens
e) der Umweltverträglichkeit
f) der Technologie
g) der Mitarbeiter
Ein zusammenfassendes Ergebnis der Due Diligence beschließt den Bericht.
Eine exemplarische Checkliste für Due Diligence Prozesse finden Sie hier.